Ziel der Methode:
Heute begegnen Kinder täglich künstlicher Intelligenz (kurz KI)– in Sprachassistenten, Empfehlungen im Internet oder beim Entsperren des Handys per Gesichtserkennung. In dieser Einheit lernen sie spielerisch, was KI ist, wie sie »denkt« und in welchen Bereichen sie im Alltag zu finden ist. Ziel ist ein erstes intuitives und niedrigschwelliges Verständnis: KI lernt aus Beispielen, trifft Entscheidungen – aber denkt nicht wie ein Mensch.
Wichtige Begriffe
- Künstliche Intelligenz (KI) – Ein Computerprogramm, das aus Daten lernt, darin Muster erkennt und Entscheidungen treffen kann
- Daten – Informationen, mit denen eine KI trainiert wird (zum Beispiel Bilder, Texte oder Zahlen)
- Training – Ein Computer lernt durch viele Beispiele, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Dingen zu erkennen – zum Beispiel, dass ein Hund in der Regel vier Beine, eine Schnauze und einen Schwanz hat.
- Algorithmus – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Computer, um Muster zu erkennen und daraus Dinge zu lernen. Zum Beispiel, dass jemand, der viele Katzenvideos guckt, wahrscheinlich Katzen mag. Also werden dieser Person mehr Inhalte mit Katzen angezeigt.
- Muster erkennen – Das, was KI besonders gut kann. Muster können zum Beispiel die Anzahl der Beine eines Tieres, die Farbe einer Frucht oder die Schreibweise von bestimmen Wörtern sein.
Materialien
- Computer mit Beamer oder Smartboard (mit Internetzugang)
- Bildkarten »KI oder keine KI?«
- Video »Was ist künstliche Intelligenz | Die Maus | WDR«
Vorbereitung
- Video »Was ist künstliche Intelligenz | Die Maus | WDR« anschauen
- Optional: Bildkarten ausdrucken und laminieren
Durchführung
Hinweis für Lehrkräfte: Stellen Sie zunächst die Einstiegsfrage an die gesamte Klasse. Sammeln Sie dann erste Ideen und Antworten der Schülerinnen und Schüler an der Tafel, ohne sie zu bewerten. Die Antworten dienen als Ausgangspunkt für den folgenden Input.
Was ist Künstliche Intelligenz?
Kennst du Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Handys mit Gesichtserkennung? Was denkst du – stecken hinter den Geräten Menschen, damit sie so funktionieren?
Lies zunächst das Interview mit Prof. Dr. Alexander Godulla:
Am 8. Januar 2026 besuchte die Forum Thomanum Schülerzeitung (FTSZ) Alexander Godulla, der Professor an der Universität Leipzig ist.
Solène: Lieber Herr Godulla, wir sind schon sehr gespannt auf das Interview! Wir freuen uns, Sie und das Thema Künstliche Intelligenz näher kennenzulernen.
Sophie: Seit wann sind Sie Professor an der Uni Leipzig?
Godulla: Ich bin seit 2017 an der Universität Leipzig. Das heißt, ich bin Professor für „Empirische Kommunikations- und Medienforschung mit Schwerpunkt Rezeptions- und Wirkungsforschung“. Das klingt ganz schön kompliziert, aber ich kann es euch erklären. Empirisch bedeutet, dass man mit Daten und Zahlen arbeitet. Medienforschung heißt, dass ich mich mit Medien beschäftige, die es früher gab oder heute gibt. Rezeptions- und Wirkungsforschung bedeutet, dass ich mir anschaue, wie Medien auf uns Menschen wirken.
Laurin: Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag aus?
Godulla: Was ich an meinem Beruf sehr liebe, ist, dass es keine normalen Arbeitstage gibt und jeder Tag anders ist. Ihr seid die erste Schülerzeitung, die mich für ein Interview besucht. So etwas bereitet mir sehr viel Freude. Am meisten halte ich Vorträge – hier an der Uni Leipzig oder auch woanders – oder schreibe viele Texte, damit das Wissen von Professorinnen und Professoren auch andere Menschen erreicht. Ich leite Projekte, beantworte viele Anfragen und schreibe auch viele E-Mails. Ich arbeite viel hier in Leipzig, bin aber auch in anderen Städten oder Ländern unterwegs, wenn ich zu Vorträgen oder Projekte eingeladen werde und wir uns gemeinsam zu Forschungsthemen austauschen.
Ella: Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß?
Godulla: So etwas wie heute tatsächlich – wenn mir Kinder neugierige Fragen stellen. Besonders wichtig ist mir bei meiner Arbeit die Frage: Wie kann man Themen aus der Wissenschaft so erklären, dass Menschen, besonders auch Kinder, sie verstehen, obwohl sie nicht in der Wissenschaft arbeiten?
Nadja: Machen Sie auch Vorträge für andere Kinder?
Godulla: Ja, das mache ich sehr gern. Hier an der Uni Leipzig gibt es die Kinderuni mit vielen Angeboten für euch. Dort habe ich auch schon einmal einen Vortrag gehalten.
Johann: Was ist eine KI?
Godulla: Die Frage klingt leicht, ist aber schwer zu beantworten. KI besteht aus zwei Wörtern: künstlich und Intelligenz. Künstlich ist etwas, das in der Natur nicht vorkommt, also nicht echt ist. Der zweite Teil, Intelligenz, ist schwieriger zu erklären. Intelligenz bedeutet, sinnvolle Entscheidungen auf der Grundlage von Wissen zu treffen.
Hermione: Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema KI?
Godulla: Wir haben 2021 angefangen, zu diesem Thema zu forschen. Da war KI noch nicht so präsent. Den Begriff „Künstliche Intelligenz“ gibt es schon seit etwa 1950. Schon damals hat man sich gefragt, ob Computer so denken können wie wir Menschen. Eine sehr wichtige Person war Alan Turing. Er schrieb einen bedeutenden Aufsatz, der mit dem Satz begann: „Können Maschinen denken?“ Er kam zu dem Schluss, dass eine Maschine dann klug ist, wenn man sie nicht von einem Menschen unterscheiden kann. Vor über 20 Jahren ist etwas Bedeutendes am Schachbrett passiert. Lange glaubte man, dass ein Computer einen Menschen nicht besiegen könne. Dann passierte es: Der berühmte Schachspieler Kasparow verlor gegen eine KI.
Annabell: Wie sieht eine KI eigentlich aus?
Godulla: Wenn du dir eine KI als Bild vorstellst, dann sind das ganz viele Punkte, die miteinander verbunden sind. Es ist ein Computerprogramm, das zu vielen Themen gelernt hat, was zusammengehört und was nicht. Wenn ich zum Beispiel
„Baum“ höre, denke ich an „Blatt“, aber nicht unbedingt an „Husten“.
Elise: Kann eine KI gefährlich für die Menschheit werden? Wenn ja, warum?
Godulla: KI kann uns viele Lügen erzählen oder sich irren. Kennt ihr die Geschichte „Der Hirtenjunge und der Wolf“? Wenn KI falsche Informationen liefert, könnten Menschen diesen glauben. Dadurch könnten wir falsche Entscheidungen treffen.
Moritz: Was ist das Peinlichste, was Sie schon einmal mit KI erstellt haben?
Godulla: Als KI noch neu war, habe ich versucht, einen Avatar von mir zu erstellen. Das hat überhaupt nicht gut funktioniert.
Johann: Wie vereinfacht KI Ihre Arbeit?
Godulla: Extrem. Ich gebe der KI oft selbst geschriebene Texte und lasse sie auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfen. Außerdem frage ich nach Tipps, wie man Texte vereinfachen kann. KI hilft mir sehr dabei, meine Arbeit zu verbessern. Dadurch spare ich jede Woche mehrere Stunden, die ich für andere Dinge nutzen kann.
Carl: Nutzen Sie KI auch im Privatleben?
Godulla: Ja, ständig. KI hilft mir, Reisen zu planen. Sie bearbeitet meine Bilder schöner. Außerdem unterstützt sie mich bei meiner Ernährung. Ich sage der KI, was ich über den Tag esse. Danach bekomme ich eine Übersicht über die Nährstoffe. Zusätzlich erhalte ich Vorschläge, wie ich mich gesünder ernähren kann.
Louis: Was wollten Sie als Kind einmal werden?
Godulla: Als Kind wollte ich gern Astronaut oder Archäologe werden.
Solène: Vielen Dank für das Interview!
Du kannst dir merken: KI ist ein spezielles Computerprogramm, das selbst lernen kann.
Wie lernt Künstliche Intelligenz?
KI lernt durch tausende von Beispielen – Bilder, Texte, Töne oder Videos. Sie findet dabei selbst Muster, zum Beispiel: »Das sind alles Katzen, weil sie Schnurrhaare und spitze Ohren haben.« Das nennt man Maschinelles Lernen.
Stell dir vor, du zeigst einem Freund, der noch nie Hunde oder Katzen gesehen hat, viele Bilder von beiden Tieren. Nach einer Weile erkennt er den Unterschied – auch bei neuen Bildern. Genauso lernt ein Computer.
Hinweis für Lehrkräfte: Wenn Sie über ausreichend Endgeräte oder Internetzugang verfügen, können Sie das Prinzip des maschinellen Lernens mit den Schülerinnen und Schülern auch praktisch mit Teachable Machine ausprobieren:
Öffnen Sie dazu gemeinsam die Website teachablemachine.withgoogle.com, wählen Sie »Erste Schritte« und dann »Bildprojekt«. Laden Sie einige Bilder von Hunden und Katzen hoch, benennen Sie die Kategorien entsprechend um und starten Sie »Modell trainieren«. Testen Sie anschließend mit einem neuen Bild, ob die KI richtig entscheidet. Das können Sie einmal vormachen und dieSchülerinnen und Schüler probieren es dann selbst aus.
Das kannst du dir merken: Die KI ist nicht intelligent – sie vergleicht nur mit dem, was sie gelernt hat. Zeigt man ihr etwas völlig Unbekanntes, kann sie keine richtige Antwort geben.
Was kann KI erschaffen?
KI kann nicht nur Muster erkennen, sondern auch selbst etwas erstellen bzw. generieren– Texte, Bilder, Musik oder Videos. Das nennt man Generative KI. Ein bekanntes Beispiel dafür ist ChatGPT.
KI im Alltag
Sprachassistenten, Gesichtserkennung beim Entsperren von Handys, Empfehlungen für bestimmte Inhalte im Internet, selbstfahrende Autos, Deepfakes – KI begegnet uns täglich, oft ohne dass wir es bemerken.
Schau dir jetzt das Video »Was ist künstliche Intelligenz | Die Maus | WDR« an und mach dir Gedanken zu den folgenden Fragen:
- Wie lernt die KI in dem Video?
- Wie liest und schreibt die KI Texte, nachdem sie gelernt hat?
- Denkt die KI nun selbst oder nicht?
- Wo hast du KI schon selbst erlebt?
Spiel: KI oder Keine KI?
Entscheide dich: Kommt bei den Beispielen KI zum Einsatz oder nicht?
Analoge Variante des Spiels
Räumen Sie für diese Aktivität etwas Platz im Klassenzimmer frei. Kennzeichnen Sie zwei Bereiche im Raum: eine Seite für »KI«, die andere für »keine KI«.
Sie nennen oder zeigen nacheinander verschiedene Alltagsbeispiele – z. B. per Bildkarte, die sie oben herunterladen können, auf dem Smartboard. Die Schülerinnen und Schüler stehen auf und positionieren sich jeweils auf der Seite, die ihrer Meinung nach passt. Wer unsicher ist, kann sich in der Mitte aufstellen. (Siehe Mögliche Beispiele aus dem interaktiven Spiel.)
Nach jeder Positionierung folgt eine kurze Begründungsrunde: »Warum habt ihr euch so aufgestellt?« Lassen Sie bewusst auch Uneinigkeit entstehen – gerade bei Beispielen wie dem Navigationssystem oder der Rechtschreibkorrektur lohnt sich die Diskussion. Halten Sie die Auflösung und wichtige Beobachtungen stichpunktartig an der Tafel fest.
Abschluss
Hinweis für Lehrkräfte: Lösen Sie das Spiel mit den Schülerinnen und Schülern (digital oder analog) gemeinsam auf, thematisieren Sie Entscheidungen und fragen Sie nach deren Begründungen im Plenum.
Schon gewusst? Das »Gehirn der KI«
Weißt du, wie du als kleines Kind gelernt hast, Fahrrad zu fahren? Am Anfang bist du immer wieder hingefallen – aber mit jedem Versuch wurde dein Gehirn ein bisschen besser darin. Irgendwann hat es einfach geklappt, ganz automatisch.
Genau so funktioniert auch das »Gehirn« einer KI. Darin stecken ganz viele kleine Rechenpunkte, die miteinander verbunden sind – ähnlich wie die Nervenzellen in deinem Kopf. Gemeinsam bilden sie ein Neuronales Netz.
Je öfter dieses Netz trainiert wird – also je mehr Bilder, Texte oder Töne es zu sehen bekommt – desto besser und schlauer wird es. Dieses Training durch immer mehr Daten nennt man Deep Learning, also »tiefes Lernen«. Der Name kommt daher, dass das Netz viele tiefe Schichten hat, durch die die Informationen wandern – wie durch viele Stockwerke eines Hauses. Und je mehr Stockwerke, desto mehr kann die KI lernen – und desto vielfältiger werden ihre Fähigkeiten.